Kurze Frage: Mussten Sie in den spteren Jahren Ihrer beruflichen Laufbahn je probekonstruieren, probelackieren, probecodieren oder was auch sonst immer Sie tun? Ich meine damit: Unentgeltliche Proben Ihrer Arbeit geben.
In der Übersetzungsbranche scheint es blich zu sein, genau das von den bersetzern immer wieder zu verlangen. Verstndlich bei Berufsanfngern, die noch keine Referenzen oder Erfahrungen in einer bestimmten Sparte vorweisen knnen. Schafft es der bersetzer, den richtigen Ton zu treffen, kann er das Gelernte umsetzen? Normalerweise sollte man auch hier auf den gesunden Menschenverstand, eine gewisse Fachkenntnis und die Fhigkeit vertrauen, Anweisungen zu folgen. Aber bitte schn: Probearbeit fr Berufsanfnger, die sich noch beweisen mssen.
Nach 16 Jahren „im Business“ fehlen mir allerdings oft Verstndnis und vor allem Zeit fr solche Anfragen. Ich kann jederzeit aktuelle Referenzen geben, und da knnte sich der Kunde eventuell die Zeit nehmen, eine kurze E-Mail an einen solchen Kontakt zu schreiben und einfach mal abzufragen, wie sich die Kandidatin denn so gemacht hat.
Aber die im System vorliegenden und durch Software auszuwertenden Tests sind natrlich schneller abgeschickt. Da wird dann erwartet, dass sich der bersetzer „mal eben“ mit einer „ganz kleinen“ bersetzung beschftigt, fr die die Vorbereitungen leider dreimal so lange dauern, wie es fr das bersetzen selbst erfordlich ist.
Dann muss man, auch wenn man den Auftrag gerne htte, auch mal „Nein“ sagen lernen. Vielleicht ndert sich ja dadurch auf die Dauer etwas und wir mssen nicht mehr vortanzen, dass wir unseren Beruf auch ausben knnen. Da sind klare Anweisungen und Styleguides nmlich viel hilfreicher.
